Wer wie was

Das Fechten ist bei uns elementarer Teil der Aktivität. Jeder Bayreuther schlägt im Regelfall mindestens fünf Partien.

Eine Partie ist ein Kräftemessen zwischen zwei im Idealfall gleich starker, gleich großer und gleich begabter Fechter verschiedener Corps. Entgegen oft gezeigter Darstellungen in TV-Produktionen ficht man nicht mit den eigenen Corpsbrüdern!

Eine Partie besteht im Normalfall aus 30 sog. Gängen zu jeweils vier Hieben. Nach jedem Gang folgt eine kurze Pause. Hauptziel der Mensur (so wird eine Partie auch genannt) ist es, die eigenen Ängste zu überwinden und möglichst selbst nicht getroffen zu werden. Es geht weder darum, den Gegner zu besiegen, noch ihn möglichst stark zu verletzen.

Dies ist auch durch umfangreiche Bandagen gewährleistet. Getroffen werden kann lediglich der Kopf und Teile des Gesichtes, wobei garantiert ist, dass keine gefährlichen Verletzungen entstehen, da Augen, Nase und Gehörgänge ebenfalls geschützt sind.

Für die Mensur muss auch täglich trainiert werden. Das sog. Pauken nimmt eine bis eineinhalb Stunden im täglichen Aktivenleben ein. Nur das regelmäßige Pauken gewährleistet eine optimale Vorbereitung auf die Mensur.

Ziel einer Mensur ist stets,  dem eigenen Anspruch an den eigenen Mut und die eigenen Fähigkeiten gerecht zu werden.

Die Bewertung der Partie übernehmen die Corpsbrüder, da man die eigene Leistung auf der Mensur selbst nicht sehen kann und es einem also selbst nicht möglich ist, einzuschätzen, ob man seinen Möglichkeiten Entsprechendes geleistet hat. Die Corpsbrüder stimmen darüber ab, ob die Partie den technischen Ansprüchen genügt hat und ob der jeweilige Paukant die Partie durchstand, ohne nach außen sichtbar seine eigenen Angst zu zeigen. Nur dann zählt die Partie als eine der fünf geforderten Pflichtpartien.

Die Bewertung der Mensur den Corpsbrüdern zu überlassen heißt, im Vertrauen auf eine richtige Entscheidung der Corpsbrüder sich deren Urteil zu fügen. Es setzt also das Grundvertrauen voraus, dass die Bewertung durch den Convent (die Versammlung der anwesenden Corpsbrüder) der gezeigten Leistung entspricht. Die Rechtfertigung dieses Grundvertrauens durch wiederholt nachvollziehbare Entscheidungen führt in der Folge zu einem gegenseitigen Vertrauen aller Corpsbrüder untereinander.

Das Fechten stellt hohe Anforderungen an die Corpsbrüder. Doch nur wer sich hohen Anforderungen stellt, kann auch an diesen wachsen. Das Fechten gibt den Corpsbrüdern also die Chance, die eigene Angst zu überwinden und den eigenen Wagemut und die eigene Tapferkeit auszutesten oder zu bestätigen. Wer diese Herausforderung gemeistert hat, der ist zu weiteren großen Taten in der Lage.